Körperbehaarung! Mein Krieg gegen mich selber

Aktualisiert: 21. März

Mein ständiger Kampf mit der Körperbehaarung


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Beinbehaarung bei Frauen

Zurück ins Jahr 1999. Ich war 12 Jahre alt, saß mit meinen Freunden im Dorfschwimmbad und hatte ein Handtuch über meinen Beinen. Allerdings nicht, weil mir kalt war sondern weil ich mich geschämt habe für meine starke Körperhaarung an den Beinen. Richtig viele Haare waren da und natürlich, nicht wie bei allen anderen Mädchen blond, sondern tief schwarz.

Als meine Mutter mich “erwischt” hat, wie ich im Badezimmer stand und mit dem Einwegrasierer meiner älteren Schwester versucht habe meine Beinbehaarung zu entfernen, verbot sie mir das kurzerhand. Leider ohne große Erklärung sondern eher mit den Worten “dafür bist du noch zu jung”!

Meine große Schwester hat sich Heldinnenhaft für mich eingesetzt, da auch sie das Thema mit der Körperbehaarung hatte und eines Tages durfte ich dann doch ran an die stoppeln.

Wer jetzt glaubt, dass damit das Problem gelöst war, liegt ziemlich falsch. Es begann so erst richtig! Durch das Rasieren meiner Beinhaare entdeckte ich immer mehr Stellen an meinem Körper, an dem unerwünscht Haare wuchsen.


So gab es Zeiten, in denen ich vom großen Zeh über die Beine, Knie, Oberschenkel bis hin zum Intimbereich, um den Bauchnabel, am unteren Rücken, um die Brustwarzen, meinen Armen bis unters Kinn alles rasiert habe.


Und ich war trotz der vielen Arbeit einfach unzufrieden mit dem Ergebnis. Der Intimbereich war trotzdem nicht weich und irgendwie blieben einfach immer irgendwo noch Haarstoppel übrig, die ich unter der Dusche übersehen habe.

In der Zwischenzeit habe ich mich auch mal ans Waxing getraut, aber ziemlich schnell wieder damit aufgehört. Wer diese Schmerzen erträgt ist ein/e Held/in!

Ich hatte Schweißperlen auf der Stirn oder einen “Pickelbart” nachdem ich auch einmal versucht hatte meine Gesichtshaare mit Waxing entfernen zu lassen.

20 Jahre hielt der Krieg gegen meine Körperbehaarung an! 20 Jahre das Benutzen von Einwegrasierern, Rasierschaum, Wechselklingen, Waxingstripes und manchmal sogar auch die Pinzette. 20 Jahre in ständigem Kampf gegen meinen Körper.

Was das mit mir gemacht hat? Sehr viel. Vor Allem mental. Ich habe mich oft, sehr oft auf meine Behaarung beschränkt.


“Ich bin nur attraktiv wenn ich glatt rasiert bin” “ich kann nicht mit Kleid oder Rock vor die Tür wenn ich nicht frisch rasiert bin” “ich bin nicht normal weil mein Körper so viel Haarwuchs hat”.


Es war schrecklich.

Ich musste mich, und muss es auch immer noch, sehr oft umarmen und mir sagen “Ich bin gut so wie ich bin”. “Meine Haare gehören zu mir”. “Ich muss sie nicht schön finden, darf sie aber annehmen”. Und das tue ich.

Stück für Stück setzte ich mich mit meinem Körper auseinander. Eine Zeitlang habe ich das Rasieren komplett gelassen, um zu sehen wie ich eigentlich aussehe. Diese Haare gehören zu mir. Und auf eine gewisse Art sind sie auch schön. Die Haut wird weich, wenn sie länger werden. Die Oberschenkelinnenseiten reiben sich beim Tragen eines Kleides nicht mehr wund. Es ist auch irgendwie wärmer am Körper. Ich fühle mich weiblich mit meinen Haaren unter den Achseln.

Das heißt jetzt nicht, dass ich nie wieder meine Behaarung weg mache. Aber ich habe einen gesunden Umgang damit gefunden und entferne nur noch die Haare, die ich zu einem bestimmten Moment nicht haben möchte. Es tut gut mir selbst zu erlauben, wann das ist und welche Haare ich weg haben möchte. Mittlerweile bin ich so gestärkt bezüglich meiner Körperbehaarung, dass ich auch mit Stoppeln an den Beinen oder unter den Achseln vor die Tür gehe. Mein Sohn findet die Haare um meine Brustwarzen witzig und freut sich daran herumzuspielen.

Es gab Zeiten da musste ich pro Bein 2 Einwegrasierer nutzen!!! Einen für´s Grobe und den zweiten, um wirklich alles glatt rasiert zu haben.

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Durch die Nutzung von unserem Rasierhobel macht mir die Haarentfernung sogar Spaß. Die Klinge hält mehrere Rasuren, und die rasierte Haut ist glatt wie nie zuvor. Ich brauche weder Rasierschaum, noch sonst irgendein Produkt, da der Hobel auf der nassen Haut wunderbar gleitet. Ich rasiere ein einziges mal über eine Stelle und die Haare sind weg.


Was ich mir wünsche:

Ich wünsche mir, dass Körperbehaarung normalisiert wird! Dass junge Mädchen* nicht denken, dass sie nicht normal sind weil sie eine stärkere Behaarung haben. Ich wünsche mir, dass sie sich gut fühlen, so wie sie sind. Dass sie sich nur auf Partner:innen einlassen, die sie lieben, wie sie sind. Dass sie Tops und Röcke anziehen, wenn sie Lust darauf haben und nicht nur dann, wenn sie frisch rasiert sind. Ich wünsche mir, dass die Welt sensibel mit unseren Körpern umgeht und ihn nicht nutzen, um Geld zu verdienen.



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